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AllgemeinFachtexte

Wir stellen akademische Berufe vor: Mathematik

By 19. Mai 2022No Comments

Kaum ein Schulfach spaltet die Geister wohl so sehr wie die Mathematik. Während die einen daran verzweifeln, gibt es auch immer einige, die fasziniert von der Logik der Zahlen sind.

  • Doch wie viel hat das Studium der Mathematik tatsächlich mit der uns bekannten Schulmathematik zu tun?
  • Und was sind die beruflichen Aussichten?
  • Werden alle Mathematiker:innen Lehrer:innen?

Wer sich dazu entschließt, Mathematik zu studieren, sollte natürlich ein Interesse an Zahlen, Gleichungen und Co. haben und eine logische und abstrakte Denkweise mitbringen. Allerdings hat die Schulmathematik mit dem Bachelor- als auch dem Masterstudium der Mathematik dann doch relativ wenig Gemeinsamkeiten. Ziel des Studiums ist es vielmehr, dass Absolvent:innen nach dem akademischen Abschluss dazu in der Lage sind, Probleme aus diversen Bereichen durch mathematische Methoden und Algorithmen darzustellen und zu lösen. Insbesondere können diese Fähigkeiten dann in den Naturwissenschaften, der Technik als auch der Wirtschaft eingesetzt werden. Es werden daher oft auch Grundkenntnisse dieser wissenschaftlichen Bereiche im Mathematik-Studium vermittelt. Während Studierende in den ersten Semestern ihrer akademischen Laufbahn die mathematischen Grundlagen vermittelt bekommen (Analysis, Stochastik, lineare Algebra usw.), setzen sie sich in den höheren Semestern durch verschiedene Wahlpflichtmodule individuelle Schwerpunkte. Diese bereiten die angehenden Akademiker:innen explizit auf die gewünschte Karrierelaufbahn nach dem Bachelor- oder Masterabschluss vor und vermitteln die entsprechende Expertise für einen erfolgreichen beruflichen Einstieg.

In der Regel ist das Bachelorstudium nach 6 bzw. maximal 7 Semestern abgeschlossen. Viele Hochschulen sehen in dieser Zeit ein Praxissemester vor, um die Studierenden für den bevorstehenden Arbeitsmarkt möglichst fit zu machen. Das Praktikum kann z.B. in Wirtschaftsunternehmen oder Forschungseinrichtungen absolviert werden. Nach abschließender Erstellung der wissenschaftlichen Bachelorarbeit erreichen die Mathematikstudierenden den akademischen Grad des Bachelor of Science (B.Sc.). Wer als Mathematiklehrer:in arbeiten möchte, muss Mathematik auf Lehramt studieren und einen Bachelor of Education (B.Ed.) oder Bachelor of Arts (B.A.) abschließen, in denen zusätzlich pädagogische Module, sowie Praktika an Schulen angeboten werden. Nach weiteren 4 Semestern kann der Master of Science (M.Sc.) oder der Master of Education (M.Ed.) erreicht werden, der, wie in fast allen akademischen Berufen, die Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöht.

Gute Karriereperspektiven in Wirtschaft,Wissenschaft und öffentlichem Dienst

Das Studium der Mathematik gehört zu den sogenannten „MINT-Fächern (Abk. für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik)“, welche dafür bekannt sind, dass Akademiker:innen aus diesen Bereichen äußerst begehrt auf dem Arbeitsmarkt sind und in Zukunft die Nachfrage nach „MINT“-Expert:innen weiterhin steigen wird. Neben dem Beruf als Lehrer:in haben Mathematiker:innen gute berufliche Chancen in den Branchen der Luft- und Raumfahrt, dem Bank- und Versicherungswesen oder in der Forschung. So sind Mathematiker:innen beispielsweise in einer Bank für das Risikomanagement oder die Planung und Kalkulation von Investitionen zuständig. Auch ein Job in einer Versicherung ist möglich – dort entwickeln akademisch ausgebildete Mathematiker:innen zum Beispiel neue Produktkonzepte oder optimieren die bereits vorhandenen. Darüber hinaus ist es Mathematiker:innen, insbesondere mit einem Masterabschluss, möglich, Aufgaben im Management eines Unternehmens zu übernehmen oder zum Team- oder Abteilungsleiter aufzusteigen. Die Promotion im akademischen Fachbereich Mathematik ist oft keine Voraussetzung für eine erfolgreiche Karriere, wird aber die Höhe des Gehalts selbstverständlich positiv beeinflussen. Auch im öffentlichen Dienst gibt es vielversprechende Aussichten auf einen Job. Dort arbeiten Mathematiker:innen vor allem in Statistikämtern auf Landes- oder Bundesebene und kümmern sich um die Datenbeschaffung, die Informationsaufbereitung und -publikation.

Auf den ersten Blick gibt es zwar nur relativ wenig Stellen, die explizit auf akademisch ausgebildete Mathematiker:innen ausgeschrieben sind, allerdings lässt sich anhand der Arbeitslosenzahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) erkennen, dass die berufliche Realität für die meisten Absolvent:innen aus diesem Bereich eine ganz andere ist. Laut der BA gab es in 2020 nur etwa 700 erwerbslose Mathematiker:innen, was einer Arbeitslosenquote von 2,7% entspricht. Bereits ab einem Wert von 3% wird offiziell von „Vollbeschäftigung“ gesprochen. Dies zeigt, dass die Chancen auf einen sicheren, als auch gut bis sehr gut entlohnten Job mit einem akademischen Abschluss in Mathematik sehr gut sind. Es ist davon auszugehen, dass Arbeitgeber:innen auf die Kompetenzen, die die Akademiker:innen während ihres Studiums erworben haben, vertrauen. Dazu zählen Soft Skills wie analytische Fähigkeiten und eine strukturierte Herangehensweise an komplexe Probleme. Diese und ähnliche Qualifikationen sind heute universell einsetzbar – also auch abseits von streng mathematisch dominierten Tätigkeiten – und deshalb stark nachgefragt. Das wird sich bis auf absehbare Zeit auch nicht ändern. Dadurch haben Mathematiker:innen mit ihren Bewerbungen in vielen Bereichen und Branchen und bei unterschiedlichsten Arbeitgeber:innen kurz- und langfristig sehr gute Karten.

Auf einen Blick

Module & Schwerpunkte im Studium

  • Analysis
  • Stochastik
  • Computerorientierte Mathematik
  • Topologie
  • Numerik
  • Versicherungsmathematik
  • Datenstrukturen & Algorythmen
    Grundlagen BWL, Physik, VWL und Informatik

Übliche Arbeitsbereiche / Berufe

  • Lehramt / Bildungssektor
  • Automobilbau
  • Bank- & Versicherungswesen
  • Logistik
  • Risiko- & Investitionsmanagement
  • Luft- und Raumfahrt
  • Markt- & Wirtschaftsforschung
  • IT-Branche, Softwareindustrie
  • Bauwesen
  • Gesundheitswesen
  • Unternehmensverwaltung, -führung und –beratung
  • Öffentlicher Dienst

Wichtige Hard und Soft Skills

  • Analytische Fähigkeiten
  • Abstraktes Denken
  • Logisches Denken
  • Disziplin, Ehrgeiz
  • Kommunikationsstärke
  • Kreatives Denken
  • Hohe Frustrationstoleranz
  • Strukturiertes Arbeiten

Gehaltsaussichten
Durchschnittliches Einstiegsgehalt nach Bachelorabschluss 35.600€/Jahr, nach 10 Jahren Berufserfahrung durchschnittlich 49.500€/Jahr, mit Promotion sogar rund 100.000€/Jahr
(Quelle: Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung)

Carla Kemper

(Verwaltungsangestellte & angehende Akademikerin)

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