Ich werde oft gefragt, welche Eigenschaften und Kompetenzen vorausgesetzt werden, um erfolgreich als Coach arbeiten zu können. Meine Antwort darauf lautet stets: Sie brauchen ein großes Herz!
Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht, da eben viel mehr als nur Empathie und ein gewisses Einfühlungsvermögen in andere Menschen nötig sind. Viele Menschen denken, sie wären für diesen Job geeignet. Aber nur die allerwenigsten bringen alle Voraussetzungen mit, die nötig sind, um in diesem fordernden Arbeitsumfeld bestehen zu können.

Worin unterscheiden sich Integrations- und Jobcoaches?

Integrationscoach

Die Arbeit als Integrationscoach unterscheidet sich zu der eines Jobcoachs vor allem darin, dass Integrationscoachs aufgrund ihrer Herkunft und Biographie multikulturelle Kompetenzen und eigene Betroffenheitserfahrungen in Bezug auf Migration, Flucht, Diskriminierung und Integration aufweisen können. So entsteht Nähe, Vertrauen und Verständnis zwischen Coach und Coache, was bei einem erfolgsversprechenden Coaching eine wichtige Voraussetzung ist. Da die wenigsten der Teilnehmenden eines Integrationscoachings bereits ein Deutschsprachniveau erreicht haben, auf dem es möglich ist zu coachen, findet das Integrationscoaching in der Regel meist fast ausschließlich auf der jeweiligen Muttersprache der Kund:innen statt.

Für den Erfolg des Coachings ist außerdem ganz entscheidend, dass der Coach in der Lage ist, sich in die Situation der jeweiligen Kund:innen hineinzuversetzen. Es mag daher schon von Vorteil sein, wenn man selbst auch Migrations- und/oder Fluchterfahrung hat, um die jeweilige Lebenslage des Gegenübers nachempfinden zu können. Kurz nach dem Ankommen in Deutschland sind die Teilnehmenden meist mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert, welche mit Unterstützung der Coachs gemeistert werden sollen. Um sich langfristig in die deutsche Gesellschaft und den Arbeitsmarkt zu integrieren, ist es von Nöten, die Rahmenbedingungen zu klären. Diese gehen von Wohnungssuche über Anerkennung von Abschlüssen und Ausbildungen bis zur Mithilfe und Erklärung der deutschen Bürokratie, als auch Begleitungen zu Ämtern, Behörden und Ärzten und eine individuell angepasste 1:1 Deutschsprachförderung, da die Bedürfnisse vieler Teilnehmender in Gruppenveranstaltungen auf der Strecke bleiben und sie oft über- oder unterfordert sind. Eine große Herausforderung stellt es für die Coachs dar, wenn die Vorstellung der Teilnehmenden bezüglich ihrer Job- und Karrierechancen in Deutschland mit der Realität nicht vereinbar sind. Dann muss der Integrationscoach oft gewaltige Anstrengungen unternehmen, um die Differenzen auszugleichen und eine Aufklärungsoffensive starten. Dies ist zum Teil eine langanhaltende und von Ausdauer geprägte Tätigkeit und fordert Geduld und Optimismus. Eine andere Schwierigkeit, der sich die Coachs stellen müssen, sind die vielen psychischen Beeinträchtigungen der Kund:innen in Form von (Kriegs-)Traumata. Hier fungiert der Coach oftmals als eine Art Psychotherapeut mit entsprechenden fachlichen Kenntnissen und steht einfühlsam, verständnisvoll und begleitend zur Seite. Sollte professionelle Hilfe im Bereich psychische Erkrankungen benötigt werden, wird von dem Coach an entsprechende Expert:innen weitervermittelt.

Oftmals haben Sie es auch mit kaum ausgebildeten Teilnehmenden zu tun oder entsprechende Zeugnisse liegen nicht vor oder werden nicht anerkannt. die weder entsprechende schulische oder ausbildungstechnische Unterlagen haben. Generell gilt deshalb, dass der Coach einen sehr guten Überblick über die Möglichkeiten der Arbeits-/Ausbildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten haben muss und entsprechende Chancen und Möglichkeiten analysiert.

Jobcoach

Neben vielen sozialen Kompetenzen muss der Jobcoach über ein breitgefächertes Wissen im Bereich Arbeitsmarkt und Personalwesen verfügen und mehr oder weniger als eine Art Personalvermittler:in sein. Er/sie muss vermitteln und genauestens beurteilen, welche Tätigkeit zu welcher Person und zu welcher Firma passen. Der Jobcoach muss die Berufsfelder und deren angrenzenden Profilanforderungen, sowie den Ausbildungs-und Weiterbildungsmarkt bestens kennen, damit er/sie Verknüpfungen zu angrenzenden Berufen und deren Aufgaben herstellen kann. Das setzt ebenso voraus, selbst über ausreichende Arbeitserfahrungen zu verfügen, gerne und besser auch noch in systemrelevanten Berufen. Neben einer gewissen persönlichen Reife sollte ein Coach außerdem über eine systemische Coach-Ausbildung im NLP Bereich verfügen, damit gerade in der Findungsphase Antworten auf Entscheidungsfragen für den Kunden von dem Coach herausgefunden werden können.

Ein Jobcoach sollte psychisch ausgeglichen und belastbar sein. In dieser Tätigkeit muss man mit vielen persönlichen und menschlichen Schicksalen fertig werden und sich bewusst sein, dass vielleicht grundsätzliche Probleme für den Kunden unlösbar bleiben. Oftmals ist hier bereits ein Erfolg das Leiden zu mindern, bzw. zu reduzieren. In jedem Fall sollten die bekannten sozialen Kompetenzen sehr ausgeprägt sein, da diese täglich zum Einsatz kommen müssen.
Sowohl Job- als auch Integrationscoaches sollten wissen, dass sie höchstwahrscheinlich bei einem Bildungsträger arbeiten und im sogenannten AVGS Geschäft coachen werden. Das bedeutet, dass man Arbeitssuchende coacht und versucht sie wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren oder an diesen heranzuführen. In beiden Jobs bedarf es an Standhaftigkeit, Belastbarkeit und Flexibilität im Coaching Prozess.
Trotz aller Herausforderungen bedeutet der Job aber auch, täglich positive Entwicklungen und Erfolge mitgestalten und erleben zu dürfen. Und dafür lohnt es sich!

Burkhardt Vollbrecht

Geschäftsführer & systemisch, integrativer Coach