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Fachtexte

Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Bewerbung?

By 25. November 2022No Comments

Haben Sie sich diese Frage auch schon mal gestellt? Oder haben Sie sich die Frage gestellt, warum Ihre Bewerbung keinen Erfolg hatte, obwohl Sie sich die größte Mühe damit gegeben haben? Und glauben Sie, dass Sie sich jederzeit auf eine ausgeschriebene Position mit Aussicht auf Erfolg bewerben können?

Mitnichten!

Aber wann genau ist denn nun der richtige Zeitpunkt für eine erfolgreiche Bewerbung gekommen? Die Antwort dazu ist tatsächlich komplexer, als Sie es wahrscheinlich vermuten und nicht in einem Satz zu beantworten:

1. Sie sollten sich tatsächlich genau darüber im Klaren sein, was Sie können und auch, was Sie genau wollen.

Neben Ihren fachlichen Kompetenzen, die auch nach Position genauestens von Ihnen überprüft werden sollten, geht es in erster Linie um Ihre sogenannten persönlichen Kompetenzen – auch Soft Skills genannt. Diese Kompetenzen werden in den allermeisten Fällen von den Bewerbern unterschätzt und doch sind sie so wichtig, weil sie in vielen Fällen in eine Bewertung Ihrer Person und damit verbunden in die Bewertung Ihrer Arbeitskraft mit ca. 60-80% einfließen.

Warum das?

Heutzutage ist Teamwork angesagt, hier sind solche Charaktereigenschaften wie gegenseitige Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft, Kommunikationsstärke und Empathie, aber auch eigenständiges Arbeiten, Organisieren, Übernahme von Verantwortung etc. gefragt.
Sicherlich gibt es auch Jobs, bei denen dies nicht im Vordergrund steht und bei denen andere Auswahlkriterien benutzt werden. Hier werden aber in den meisten Fällen andere Fähigkeiten benötigt, die zum Teil genau das Gegenteil der bei Teamarbeit geforderten Soft Skills sind. Da kommt es z.B. darauf an, dass keine persönliche Individualität, Kreativität oder besondere kommunikative Stärken gefragt sind (wie bei Fließbandarbeit und anderen stupiden einfachsten Tätigkeiten). Ich verweise in diesem Zusammenhang auch noch einmal auf unseren Beitrag „Was sind die sogenannten Soft Skills?

Wichtig in diesem Zusammenhang ist tatsächlich die Erkenntnis, diese Kompetenzen auch genauestens zu erkennen und sie ggf. auch zu fördern. Hier bietet sich ein AVGS Einzelcoaching an, bei dem diese persönlichen Kompetenzen unter fachlicher Anleitung herausgearbeitet werden. Der Bewerber muss sich seiner Kompetenzen – Stärken – Soft Skills teilweise erst einmal bewusst werden. In einem Coaching lernt er all das, aber auch diese Soft Skills selbstbewusst einzusetzen, damit er in seinem gesamten Bewerbungsauftritt überzeugen kann.

2. Passt die ausgeschriebene Stelle zu meinen fachlichen Fähigkeiten und Kompetenzen?

Nicht jeder Bachelor oder Master, den man in einem bestimmten Bereich abgeschlossen hat, passt nachher auf ein Stellenangebot aus genau diesem Bereich. Man sollte genau hinterfragen:

  • Habe ich in diesem Bereich schon Arbeitserfahrungen z.B. durch die Themenarbeit oder ein Praktikum?
  • Oder sogar vielleicht auch eine längere Berufserfahrung?
  • Passen meine Gehaltsvorstellungen, meine persönliche Standortwahl auch mit der von der Branche gezahlten Gehälter überein?
  • Wäre ich auch bereit, auf einen Teil meiner Gehaltswünsche bei einem bestimmten Arbeitgeber oder Job zu verzichten?

Diese Fragen können tatsächlich einen gewissen Umfang einnehmen, über den man sich im Klaren sein sollte.

3. Wie gut sehen meine Bewerbungsunterlagen aus?

  • Sind sie professionell aufgearbeitet und aktualisiert?
  • Sind sie auf die Stelle angepasst, genauso wie das Bewerbungsschreiben bzw. wenn gefordert das Motivationsschreiben?
  • Wieviel Erfahrung haben Sie damit und sind Sie sicher, dies auch fachlich in eigener Sache kritisch zu bewerten?
  • Sind Sie auf Vorstellungsgespräche ausreichend vorbereitet und haben Sie sich damit überhaupt schon mal ausreichend und vertiefend beschäftigt?
  • Sind die weiteren Unterlagen wie Zeugnisse und Zertifikate vollständig, oder fehlt etwas?

Sind Ihnen die gegenwärtigen online Bewerbungen (s. Beitrag „Online-Bewerbungen“) geläufig, haben Sie sich mit dem ganzen Prozedere der aktuellen Bewerbungsabläufe ausreichend befasst? Mal ehrlich?

Sicherlich hilft eine gute Bekannte oder Bekannter, aber ist diese Hilfe auch fachlich ausgereift und geeignet genug, Ihnen zur fokussierten und ausgesuchten Arbeitsstelle auch zu verhelfen?

Auch hier können Sie professionelle Hilfe in einem sogenannten Bewerbungs-Coaching bekommen (über AVGS der Jobcenter und Arbeitsagenturen oder als Selbstzahler)

4. Es gibt bei den meisten ausgeschriebenen Jobangeboten ein sogenanntes Zeitfenster…

… in dem Sie sich bewerben können. Oftmals sind es max. 14 Tage. Würden Sie sich jetzt eher gleich am Anfang oder lieber relativ am Ende der Bewerbungsfrist bewerben, und was sagt das dann über Sie aus? Was meinen Sie?

Und denken Sie, dass es Sinn macht, sich am Freitagnachmittag zu bewerben? Wie sieht es denn mit Weihnachten und Ostern aus? Spätestens hier sollte Ihnen bewusst sein, dass es in diesen Zeiträumen eher unwahrscheinlich ist, mit einem gut bezahlten Job zu starten, da die Arbeitgeber in der Regel die Feiertage und zum Teil auch die unproduktiven Tage im Jahr nicht bezahlen möchten. Ähnliches gilt mittlerweile auch für die Sommerferien. Hier kann es zwar sein, dass die Stellenangebote online sind, sollte es aber zu einer Einstellung kommen, wird es wohl eher nach den Sommerferien sein. Der Grund liegt meistens auf der Hand, da es mittlerweile viele Branchen gibt, die von einem sogenannten Sommerloch mit deutlich geringerem Auftrags- und Arbeitsaufwand betroffen sind.

Sie sehen also, dass es schon alleine bei diesen angeführten Punkten sehr gut überlegt sein sollte, wann und zu welchem Zeitpunkt Sie Ihre wertvolle Energie in den Bewerbungsprozess investieren.

5. Wie gut sind Sie gerade drauf?

Hört sich komisch an, ist aber sehr ernst gemeint. Es versteht sich von selbst, sollten Sie sich nicht wohlfühlen, evtl. bedingt durch eine anhaltende Krankheit verbunden mit Schmerzen, sollten Sie gerade sehr gestresst sein oder sich in einer emotional extremen persönlichen Situation befinden, dass Sie zu diesem Zeitpunkt einfach nicht gut gelaunt sind. Das kann man tatsächlich sehen, aber vor allen Dingen auch im Gesprächsverlauf mit Ihnen hören!

In diesem Fall werden Sie garantiert niemanden überzeugen und noch mehr negative Erfahrungen würden Sie tatsächlich zu so einem Zeitpunkt nur noch mehr runterziehen.

Nehmen Sie sich in diesem Fall lieber die Zeit für sich selbst und gönnen Sie sich selbst etwas, was Sie glücklich macht, bzw. was Ihre Ausgeglichenheit und Ihren Optimismus wieder herstellt.
Diese Tage oder Phasen hat jeder mal, das ist auch normal und sollte von Ihnen akzeptiert werden.

6. Fokussierung auf eine bestimmte Position, bzw. Aufgabe

Die meisten Menschen neigen tatsächlich dazu zu glauben, die Menge an Bewerbungen macht es, irgendwann wird es schon klappen. Je mehr Bewerbungen man abschickt, desto besser. Wenn aber die Einladungen zu einem Vorstellungsgespräch ausbleiben, auch nach vielen dutzenden Bewerbungen, was dann?

Man neigt in vielen Fällen gerne dazu, für diesen Umstand Ausreden zu finden, und leider nicht zu kritisch mit sich selber zu sein. Aber hilft das?

Es ist vielmehr ratsam, sich auf ganz wenige ausgeschriebene Jobs zu bewerben, und zwar mit ausreichend Zeit für eine Recherche und einer vertiefenden Beschäftigung mit dem gesamten Bewerbungsvorgang, das geht von der genauen Auflistung der eigenen Kompetenzen über die intensive Analyse des Stellenangebotes bis hin zur Informationsbeschaffung über das Unternehmen (z. B. über das Arbeitgeberbewertungsportal kununu, über die Unternehmens-Website).
Aus meinen hunderten von Coachings, die ich hier in Berlin mit meinen Kunden durchgeführt habe, konnte ich genau diese Erkenntnis gewinnen, dass sich akribische Feinarbeit und Geduld bei der Vorbereitung für eine Bewerbung sehr wohl auszahlen.

Ebenso kann ich dies aus meiner jahrelangen Berufserfahrung als Personaler ebenfalls nur bestätigen. Man kann es förmlich lesen und spüren, wie umfangreich ein Bewerber sich auf den Job vorbereitet hat. Und was wünscht sich eine Firma mehr, die einen neuen Mitarbeiter sucht, als einen motivierten und engagierten Bewerber, der sich schon im Vorfeld die Zeit nimmt und sich mit der Materie intensiv beschäftigt – und nicht durch Oberflächlichkeit glänzt, wie die Mehrheit der Bewerber.

Abschließend sei erwähnt, dass ich aber auch feststellen musste, dass die überwiegende Zahl an Bewerbern dazu neigt, sich maßlos selbst zu überschätzen. Die Gründe, warum dies so ist, sind sicherlich vielseitig. Zum einen ist es mangelnde Selbstreflexion, zum anderen wird in so manchen Bewerbungsratgebern sogar empfohlen, sich etwas zuzutrauen und sich so gut wie möglich zu verkaufen. Letzteres ist zwar nicht ganz verkehrt, aber immer unter Beachtung einer gesunden Portion Realismus bezogen auf die eigenen Leistungen und Skills.

Ich halte es für absolut notwendig, sich professionelle Hilfe zu suchen, z.B. durch ein Einzelcoaching mit einem erfahrenen Coach. Dieses Coaching wird in den allermeisten Fällen von den Jobcentern oder Arbeitsämtern übernommen, wenn Sie arbeitssuchend sind. Wenn Sie sich aus einem bestehenden Arbeitsverhältnis auf einen anderen Job bewerben wollen, der evtl. lukrativer für Sie erscheint, können Sie dies ebenfalls als sogenannter Selbstzahler hier in Berlin finanzieren. Es gibt hier eine Vielzahl an entsprechenden Angeboten.

B. Vollbrecht
(system. Coach und Personaler)

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