Die vormals „Alten“, alle ab 50, sind heutzutage fitter denn je. Ich selbst bin fast 58 Jahre alt und kann mir momentan noch nicht vorstellen, wie es wäre, in Rente zu gehen. Da ich gerne arbeite und ich mich mit über 50 beruflich noch mal komplett neu orientiert habe, möchte ich diese Umorientierung auch noch ein Weilchen genießen. Das bedeutet natürlich auch, dass ich immer noch bereit sein muss, Neues zu lernen, keine Angst vor dem Unbekannten habe und ich mir meine Neugier bewahre. Meine Motivation ist vor allem die stetige berufliche und die daraus resultierende persönliche Weiterentwicklung. Und ganz wichtig: ich bin gerne und mit Begeisterung dabei!

Punkten Sie mit Ihrem Erfahrungsschatz

Legen Sie den Fokus auf Ihre Erfahrungen, nicht auf Ihr Alter. Gerade als ältere:r Mitstreiter:in auf dem Arbeitsmarkt haben Sie in vielen Punkten viel mehr zu bieten, als die jüngere Generation. Auch wenn wir im Umgang mit den neuen Medien nicht immer ganz mithalten können – klassische Werte sind für uns unerlässlich: Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Loyalität… Um nur einige zu nennen. Diese Werte leben wir noch, auf uns kann man sich verlassen. Wir geben nicht so schnell auf, wenn etwas nicht rund läuft. Wir suchen nach alternativen Lösungen, wir beißen uns durch. Wir können noch Kompromisse eingehen und dabei fair bleiben. Das sind alles Argumente, die für uns Ältere sprechen.

Auch wenn wir nachts nicht mehr unendlich lange auf den Partys mithalten können, auch wenn wir nicht 10.000 Follower:innen auf Instagram oder Facebook haben – das brauchen wir gar nicht! Das heißt ja nicht, dass wir keinen Spaß mehr an Freizeit und Aktivität haben, dass wir kontaktarm oder anderen gegenüber nicht aufgeschlossen sind!

Mittlerweile haben viele das Gefühl, dass sie schon mit Mitte 40 zu alt für den Arbeitsmarkt sind. Ich finde aber, es liegt in Ihrer Hand – auch wenn das Geburtsjahr Anfang der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts liegt – trauen Sie sich! Und wenn der Bewerbungsprozess etwas eingerostet ist, dann nehmen Sie professionelle Hilfe in Anspruch. Mit gestylten, aktuellen und modernen Unterlagen werden Bewerbungen wieder ganz anders wahrgenommen, und die vielen Vorteile, die Sie als ältere:r Bewerber:in Mitbringen, können optimal in Szene gesetzt werden.

Digital abgehangen? Bleiben Sie up to date

Für die Älteren ist es tatsächlich eher unwahrscheinlich, in bestimmten Bereichen lukrative Jobs zu bekommen. Dazu zählen z.B. Start-ups, vor allem im digitalen Bereich. Das muss man fairerweise akzeptieren. Wir sind eben nicht mit einem Smartphone in der einen und mit einem Tablet in der anderen Hand geboren worden. Die komplette Digitalisierung ist für uns immer noch nicht selbstverständlich und stellt uns öfters noch vor Herausforderungen. Auch wenn Sie im digitalen Bereich vermeintlich auf einem guten Level sind – das reicht für einen erfolgreichen Neustart in diesen Branchen leider meistens nicht aus. Aber: Es gibt genug interessante Alternativen und Möglichkeiten! Bleiben Sie dennoch am Puls der Zeit. Es gibt zahlreiche Arten von Qualifizierungen, Schulungen und Weiterbildungen. Wir haben gerade in Berlin unendlich viele Bildungseinrichtungen – angefangen bei den Volkshochschulen, über staatliche Bildungsträger bis hin zu privaten Akademien. Es ist also für jede:n was dabei, auch hinsichtlich der unterschiedlichen Finanzierungsmöglichkeiten.

Also – Ihr um die 50-Jährigen – wenn es noch einmal zu einem Jobwechsel kommt, konzentriert Euch darauf, was Ihr mitbringt, nicht auf das, was Euch fehlt! Konzentriert Euch darauf, was Euch von den Jüngeren abhebt, nicht auf das, was die Jüngeren vermeintlich besser können! Konzentriert Euch darauf, was der neue Job für Anforderungen stellt, und nicht darauf, welche Anforderungen Ihr nicht erfüllt! Verbindet Eure Erfahrungen mit Euren Softskills – damit könnt und müsst Ihr überzeugen!
Und wenn Ihr das Gefühl habt, das könnte passen, dann traut Euch, Euch zu bewerben, gegebenenfalls mit professioneller Hilfe im Rahmen eines individuellen Bewerbungscoachings. Habt keine Angst davor, Euch nochmal auf die Schulbank zu setzen! Vieles ist möglich!

Wilja Vollbrecht
Geschäftsführerin und systemisch integrative Coachin