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Fachtexte

Wie geht man an eine berufliche Weiterbildung heran?

By 22. November 2022No Comments

Bildungsinteressierte sollten sich genauestens Gedanken darüber machen, wohin es beruflich gehen soll, was sie erreichen wollen, aber auch, was auf dem Arbeitsmarkt gebraucht wird und daraus schlussfolgernd – welche Qualifikationen dafür aktuell fehlen: technisches und fachspezifisches Wissen, soziale Kompetenzen, Fremdsprachen … Beschäftigte können sich beraten lassen, z. B. beim kostenlosen bundesweiten Infotelefon für Weiterbildung unter 0800 / 201 79 09. Auch in den Bundesländern gibt es unabhängige Beratungsstellen, z. B. für Berlin über wdb-berlin.de als eine sehr umfangreiche und informative Datenbank zu allem, was mit Weiterbildungen zu tun hat. Über die Industrie- und Handelskammern und Handwerkskammern kann man sich ebenfalls beraten lassen.

Präsenz oder Online?

Als nächsten Schritt muss man sich fragen, wie man lernen möchte und wie viel Zeit man für die angestrebte Weiterbildung zur Verfügung hat. Es gibt Vollzeitkurse und berufsbegleitende Lehrgänge in Teilzeit. Möglich sind neben Präsenzkursen vor Ort auch Fernunterricht und mittlerweile verstärkt Onlinekurse. Präsenzkurse haben den Vorteil, dass man direkte Kontakte zu Dozenten und anderen Kursteilnehmern aufbauen kann, Interaktionen sind gut möglich, direktes Hinterfragen und Austausch sind genauso vorteilhaft wie das gemeinsame Lernen. Fernkurse bieten dagegen zeitliche Flexibilität, fordern aber mehr Lerndisziplin. Wie bei Online-Kursen fehlt der direkte Kontakt zu Dozenten und anderen Teilnehmern, mit denen man sich in Präsenz schneller und besser austauschen kann.

Wo findet man geeignete Kurse?

Es gibt für die Recherche sehr umfangreiche Weiterbildungsdatenbanken: wdb.de, kursnet (von der Bundesagentur für Arbeit), wis.ihk.de, springest.de, emagister.de, semigator.de, seminarboerse.de, iwwb.de, kursfinder. Man hat die unterschiedlichsten Filtermöglichkeiten und bekommt Informationen über Inhalte, Dauer, Veranstaltungsorte, Abschlüsse, Fördermöglichkeiten, Unterrichtsform der gesuchten Kurse). Infos bekommt man auch über die unabhängigen Suchportale der Bundesländer wie Wisy (vorrangig Kurse aus der Region).

Ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten Lehrgänge in den Volkshochschulen (VHS). Insbesondere in Berlin hat man die Möglichkeit, in fast jedem Berliner Stadtbezirk eine Volkshochschule mit umfangreichen Kursangeboten zu finden.

Über Fernunterricht kann man sich über zfu.de umfangreich informieren, Angebote lassen sich gut vergleichen, so dass man das Passende findet. Es gibt auch zahlreiche Fernakademien (ILS, Euro-FH Fernuni, sdg Fernschule), die verschiedenste Angebote an Kursen, Qualifikationen und Abschlüssen anbieten.

Was macht einen guten Kurs aus?

In den Kursbeschreibungen sollten klare Angaben zu Zielgruppe, notwendigen Vorkenntnissen, Kursinhalten und -zielen sowie zu Kursort, Dauer, Kosten des Kurses, ggf. Prüfungskosten und Arbeitsmaterial aufgelistet sein. Auch über die Möglichkeit der Kostenübernahme – durch wen, in welcher Höhe – sollte informiert werden.
Gerade für Präsenz-Kurse ist es ratsam, sich im Vorfeld persönlich einen Eindruck vom Bildungsträger / von der Schule oder Einrichtung zu verschaffen. Nicht immer ist die Bildungseinrichtung am besten, die am bequemsten von zu Hause zu erreichen ist! Es geht hier oft auch um einen längeren Zeitraum, da sollte schon alles passen und es gehört ein ansprechendes Ambiente mit gut ausgestatteten Räumen dazu. Auch bekommt man so einen Eindruck, wie die Teilnehmer, Dozenten, Mitarbeiter miteinander umgehen – das lässt viele Rückschlüsse auf die Qualität der Weiterbildung und der Einrichtung zu. Man kann sogar versuchen, mit Teilnehmern oder Dozenten zu sprechen – auch so bekommt man wichtige Informationen und Eindrücke.

Für alle Arten von Unterricht gilt, dass Lehrkräfte / Dozenten nicht nur auf fachlichem Gebiet Experten sein sollten, sondern auch didaktisch geschult sein müssen. Auch das kann man im Zweifelsfall nachfragen. Auch sind Lehrmethoden von immenser Bedeutung. Gruppenarbeit und praktische Übungen helfen, den Lernerfolg zu erhöhen. Wichtig ist eine Beschränkung der Teilnehmerzahl, es sollten nicht mehr als 15 Teilnehmer sein, je nach Kursinhalt.

Bei der Recherche nach einer passenden Weiterbildung sollte man sich auch nach dem Abschluss erkundigen – wie sieht ein aussagekräftiges Dokument zu Abschluss des Kurses aus? Ist es ein Zertifikat, welches die Schule ausstellt, oder handelt es sich um einen offiziellen Kammer-Abschluss? Die Inhalte, zeitlicher Umfang, erbrachte Leistungen, z. B. Prüfungen, sollten auf jeden Fall dokumentiert sein.

Vertragsabschluss: Offene Fragen sollten mit dem ausgewählten Anbieter auf jeden Fall geklärt werden, am besten persönlich vor Ort – nicht nur bei teuren und längeren Kursen. Seriöse Weiterbildungs-Einrichtungen nennen im Vertrag Kosten und Zahlungsbedingungen, sie bieten akzeptable Rücktritts- und Kündigungsbedingungen sowie mögliche Regelungen für Corona-Ausfälle an.

Vertragsabschluss erst, wenn alles mit dem Chef geklärt ist!

Wann muss der Arbeitgeber informiert werden?

Es besteht für Beschäftigte nicht grundsätzlich der Anspruch auf Weiterbildung. Ausnahmen sind, wenn im Arbeitsvertrag, in Betriebsvereinbarungen oder Tarifvertrag konkret Bestimmungen zur Weiterbildung stehen (wie Dauer und Beteiligung an den Kurskosten). Einige Firmen bieten Weiterbildungsoptionen sogar als Anreiz. Ist beides nicht der Fall, kann man in einem Personalgespräch mit dem Vorgesetzten / Chef / Personalbearbeiter sein Weiterbildungsinteresse bekunden und nachfragen, welche Möglichkeiten die Firma bietet, wo sie unterstützt oder ob es gar nichts gibt. Man sollte auf jeden Fall rechtzeitig das Gespräch suchen.

Wichtig ist eine überzeugende Argumentation, warum gerade diese Weiterbildung jetzt notwendig ist, welche Vorteile die Firma daraus gewinnen kann und man sollte die eigene Motivation und Begeisterung deutlich machen. Auch sollte man über die anfallenden Kosten und Fördermöglichkeiten sowie Dauer der Weiterbildung Auskunft geben können. Es kann durchaus sinnvoll sein, sich auch Alternativen anzubieten – z.B. als Abendkurs oder am Wochenende.

Arbeitgeber und Weiterbildung?

Man sollte hinsichtlich einer beruflichen Weiterbildung davon ausgehen, dass die Firma davon letztendlich profitiert. Das sollte auch das entscheidende Argument gegenüber dem Chef sein, wenn man mit ihm spricht. Man muss auf jeden Fall überzeugend darstellen, dass die Investition in die Weiterbildung mit Zeit und Geld sich langfristig auf jeden Fall für das Unternehmen lohnt. Vom dem neuen Wissen, den neuen Fähigkeiten und Kenntnissen profitiert ggf. das Team, die Abteilung u. s. w.

Wenn der Chef nachfragt, warum gerade dieser Kurs ausgewählt wurde und nicht einer, der kürzer und preiswerter ist, sollte man darauf gut und überzeugend antworten können.

Unterstützt die Firma die Weiterbildung, kann sie eine bezahlte Freistellung oder einen Zuschuss zu den Kosten gewähren. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass sich die Firma so eine Weiterbildung gar nicht leisten kann, weil sie mit Arbeitsausfall und Kosten verbunden ist.

Bewilligt der Arbeitgeber nur eine unbezahlte Freistellung, muss man sich über die Einkommenslücke in dieser Zeit im Klaren sein, da man diese selbst ausgleichen muss. Das kann sich aber lohnen, wenn man danach einen besser bezahlten Job bekommt. Finanziert die Firma die Weiterbildung, ist man meist vertraglich für eine bestimmte Zeit an die Firma gebunden. Kündigt man in dieser Zeit, muss man meistens die Kosten der Weiterbildung anteilig zurückzahlen.

s. Stiftung Warentest – online: „Weiterbildung finanzieren, diese Fördermittel gibts für Wissensdurstige“ vom 23.08.2022

Wilja Vollbrecht
(PCS Berlin GmbH)

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